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Feuerwehr­schule

Die Gründung und Entwicklung der Feuerwehrschule Regensburg

Vor weit über hundert Jahren bildeten sich die ersten Feuerwehren als freiwillige Rettungskorps meist aus den Turnerriegen. Deren Übungen gingen exerziermäßig vor sich. Demzufolge erhielten die Feuerwehrriegen für den Gebrauch ihrer Geräte "Exerzierreglements". Über das Verhalten an Brandstellen wurde darin anfangs nichts ausgesagt. Die Ausbildung selbst war vollständig den Feuerwehren überlassen. Dementsprechend unterschiedlich und teilweise wohl auch fragwürdig war der Einsatzerfolg bei gemeinsamer Bekämpfung von Schadenfeuern.

Auszug aus "Brandwacht" 5/1977, Seite 96 ff

Inhalt

  • 1. Erste zentrale Feuerwehrkurse
  • 2. Gründung einer Feuerwehrschule in Landshut
  • 3. Übersiedlung nach Regensburg
  • 4. Die Kriegszeit
  • 5. Der Neubeginn nach dem Krieg
  • 6. Erweiterungsbauten
  • 7. Überlastete Schulen
  • 8. Zeitgemäße Ausbildung nur durch Neubau

1. Erste zentrale Feuerwehrkurse

So wurde selbstverständlicherweise bald der Wunsch nach überörtlicher, einheitlicher und verbesserter Ausbildung laut. Der erste Schritt hierzu war die Abhaltung zentral gesteuerter "Landes-Feuerwehrkurse". Diese Kurse wurden im Jahr 1913 zunächst bei der städtischen Berufsfeuerwehr München für freiwillige Feuerwehrführungskräfte durchgeführt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 unterbrach diese erfolgreich begonnenen mehrtägigen Kurse. Auf Betreiben des Bayer. Landes-Feuerwehrverbandes nahmen verantwortungsbewußte Feuerwehrführer 1919 dann die unterbrochene Ausbildung wieder auf. Man ging nun aber bereits hinaus in die Landkreise. Die neuen Kurse dauerten drei Tage. Trotz der im einzelnen beachtlichen Wissensbereicherung fehlte ihnen doch die notwendige Breitenwirkung.

2. Gründung einer Feuerwehrschule in Landshut

So beschloß der Bayer. Landes-Feuerwehrausschuß am 29. September 1931 die Errichtung einer eigenen Feuerwehrschule. Sie sollte der exakten und umfassenden Ausbildung "zum Aufrücken in Führerstellen bei den Freiwilligen Feuerwehren" dienen.

In klarer Erkenntnis der besonderen volkswirtschaftlichen Bedeutung eines geordneten vorbeugenden und eines straffen abwehrenden Feuerschutzes unterstützte das Bayer. Staatsministerium des Innern dieses Vorhaben. Als Ort für die Gründung der Feuerwehrschule fiel die Wahl durch den damaligen Landesbranddirektor Ecker auf die niederbayerische Hauptstadt Landshut. Bevölkerung und Stadtväter waren dort schon immer für die Feuerwehrsache aufgeschlossen.

Im November 1930 hatte die Freiwillige Feuerwehr Landshut ein neues, geräumiges und gut ausgestattetes Feuerwehrgerätehaus bezogen. Eine Anzahl moderner Löschfahrzeuge sowie alle erforderlichen Geräte standen zur Verfügung. Ein ausreichender Unterrichtsraum in der Feuerwache selbst war vorhanden, eine große Exerzierfläche ganz in der Nähe ergänzte die Ausbildungsmöglichkeiten. Die Schule erhielt den Namen "Bayerische Landes-Feuerwehrschule Landshut".

Zum Schulleiter bestimmte der Landesfeuerwehrverband Herrn Georg Eichhammer. Er war bis dahin Abteilungsführer bei der Freiwilligen Feuerwehr München gewesen. Als Stellvertreter und ständiger Lehrer stand ihm Hans Schindlbeck aus Dingolfing zur Seite. Der damalige Leiter der Berufsfeuerwehr München, Branddirektor Dipl.-Ing. Karl Dirnagl und sein Stellvertreter, Vertreter der Bayerischen Versicherungskammer, des Landesamtes für Wasserversorgung, des Stadtbauamtes und der Stadtwerke Landshut, ein praktischer Arzt, Vertreter des Landesfeuerwehrverbandes und Führungsdienstgrade der Freiwilligen Feuerwehr Landshut unterstützten die beiden ständigen Lehrkräfte als Gastlehrer.

Zunächst wurden hier nur Kurse für auf Kreisebene tätige Feuerwehr-Führungsdienstgrade abgehalten. Vom 6. mit 20. Dezember 1931 lief der erste Kurs. Er wurde von 25 Feuerwehrführern aus Niederbayern belegt. Den "Jahresbetrieb" bildeten dann später vom November bis Februar 4 Kurse mit je 12 Ausbildungstagen. Voraussetzung für die Teilnahme war ein 3tägiger sogenannter Vorbereitungskursus für Bezirks- und Kreisfeuerwehrführer. Außerdem sollten die Lehrgangsteilnehmer das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Das Landesfeuerwehrbüro in München lud etwa eine Woche vor dem Lehrgang nach Landshut ein. An- und Abreise erfolgten in Uniform und Mütze. Mitzubringen waren: Feuerwehrhelm, "mehrtönige" Signalpfeife, Schlauchhalter und Steigerleine. Empfohlen war ferner die Mitnahme von Unterkleidung und eines weiteren Uniformrocks. Eine eigene Bekleidungskammer bestand in der Schule nicht.

Der erste Kurs nutzte als Behelfsunterkunft 2 große Schlafsäle der Jugendherberge Landshut. Zum zweiten Kurs zog man von Massenquartier in Zimmer des Hotels Dräxlmaier in der Landshuter Altstadt um. Die Hoteliersfamilie Eberl waren gute Herbergseltern, die die Lehrgangsteilnehmer als "ihre Buben" betrachteten und sich bemühten, die Teilnehmer reichlich zu verpflegen und gut unterzubringen. Die Fahrtkosten wurden von der Schule erstattet. Für jeden Reisetag gab es RM 3,-- Verpflegsgeld. Ein tägliches Taschengeld von RM 2,-- trug zur Verbesserung der guten Laune ebenso bei wie das tägliche Freibier zum Mittagsmahl. Die meisten Kursteilnehmer blieben über Sonntag in Landshut. Die Verpflegung wurde auch sonntags aufrecht erhalten.

Der Lehrplan war umfangreich, die Kurstage also ausgefüllt und anstrengend. Neben dem Geist sollte auch der Körper geschult werden. "Manneszucht und körperliche Ertüchtigung" mit fast militärischer Exaktheit standen obenan. Das sah so aus:

  • 8 Stunden Leibesübungen mit Fußexerzieren
  • 9 Stunden Übungen mit Steiggeräten
  • 17 Stunden Übungen an Löschgeräten
  • 10 Stunden Schlauchbehandlung

Ferner kamen hierzu:

Pflege der Geräte, Handhabung der Rauchschutzgeräte und Handfeuerlöscher, Brandbekämpfung, Baukonstruktionslehre und Feuerbeschau, Organisation und Versicherungswesen, Signal-, Beleuchtungs- und Alarmwesen, das Feuer und seine Entstehung, chemische Feuerlöschmittel und schließlich Führereigenschaften und -pflichten.

Im wesentlichen widmete man sich also Unterrichtsthemen, wie sie heute noch aktuell und nach wie vor gültig sind. Trotz der Fülle stand über allem das Ziel und der Leitgedanke: Aus der Praxis - für die Praxis!

Ein Obmann der Lehrgangsteilnehmer war Hilfsorgan des Schulleiters für Ruhe, Ordnung und pünktliches Antreten. In geordneten Reihen marschierten die uniformierten Kursteilnehmer zum Übungsplatz am städtischen Viehmarkt. Die Objekte für die Ernstfallübung zum Kursabschluß am Samstagnachmittag der zweiten Woche wurden gewechselt, Bürgerhäuser und Gewerbebetriebe boten viele Angriffsziele. Die straffen und musterhaften Vorführungen fanden in aller Öffentlichkeit statt und begegneten einem regen Interesse der Bürgerschaft. Die schriftliche Prüfung fand vor der praktischen Prüfung statt.

Auf jeden einzelnen Kursteilnehmer richteten sich die Erwartungen der Verbandsleitung: Sie sollten das Gelernte und Geübte in die Feuerwehren der Kreise zur praktischen Anwendung hereintragen!

Den Ausklang eines Kurses bildete die Ansprache des Landesbranddirektors oder in seiner Vertretung des Kreisbranddirektors mit der Überreichung der Teilnahmeurkunde im Unterrichtsraum der Feuerwache.

Das Interesse an dieser Ausbildung und der Bedarf an Lehrplätzen nahmen laufend zu. Für das Jahr 1935/36 wurden deshalb ab 1. April 1935 ganzjährig Kurse, nun Lehrgänge genannt, angesetzt. Sie waren offen in Stufe I für Kommandanten und -anwärter mit 12tägiger Dauer und in Stufe II für Feuerwehr-Dienstaufsichtsorgane mit 5tägiger Lehrgangsdauer vom Bezirksbrandmeister aufwärts bis zum 55. Lebensjahr.

Die Anmeldungen erfolgten nun über den Kreisbranddirektor an die Feuerwehrschule. Die Teilnehmer erhielten freie Bahnfahrt (bei 50% Fahrpreisermäßigung) und ein Reisetagegeld von je RM 3,00 für Hin- und Rückreise. Das tägliche Taschengeld allerdings fiel von nun an weg. Ersatz für ausfallende Löhne gab es durch die Schule ebenfalls nicht.

Nach genau 5jähriger Lehrtätigkeit verstarb der allseits beliebte Lehrer und hochbefähigte Kreisbrandinspektor Schindlbeck.

3. Übersiedlung nach Regensburg

Die Räumlichkeiten und Einrichtungen der Landesfeuerwehrschule reichten schon bald für den wachsenden Andrang nicht mehr aus. Mit dem 40. Lehrgang am 20. März 1937 wurde die Landesfeuerwehrschule Landshut geschlossen. In Stufe I hatten bis dahin 995 und in Stufe II 306 Mann die Schule besucht. Stadt und Freiwillige Feuerwehr Landshut hatten "ihre" Feuerwehrschule seit deren Bestehen in wahrhaft großzügiger Weise gefördert. Schulleiter Eichhammer wurde am 25. Oktober 1936 zum Ehrenmitglied der FF Landshut ernannt.

In der Stadt Regensburg hatte man zwischenzeitlich das seit 1. April 1936 aufgelassene Bezirkskrankenhaus Stadtamhof mit einem Areal von 5800 qm ausfindig gemacht. Vor Bezug mußten die Räume der Gebäude teilweise umgebaut und zweckdienlich eingerichtet werden. Solange konnte mit der Fortsetzung der Lehrgänge Stufen I und II nicht begonnen werden. Wiederum stellte das Bayer. Staatsministerium des Innern die notwendigen Mittel zur Verfügung. Im Sommer 1937 siedelte die Bayer. Landesfeuerwehrschule von Landshut nach Regensburg-Stadtamhof über. Leider wurden alle Unterlagen und Lehrgangsnachweise bei der Besetzung der Schule im Jahre 1945 vernichtet, so daß es heute sehr schwer ist, belegbare Fakten zusammenzustellen. Nur aus der Überlieferung kann die Geschichte der Schule noch in ihren wichtigsten Zügen beleuchtet werden. Die Schule nannte sich nun "Landesfeuerwehrschule Regensburg", Hauptbrandmeister Eichhammer blieb auch hier zunächst noch Schuldirektor; ab Ende 1937 wurde Baurat Dipl.-Ing. Faatz aus Breslau neuer Schuldirektor. Neue Ausbilder kamen aus den Freiwilligen Feuerwehren und einschlägigen Fachberufen als Lehrkräfte "auf Dauer" zur Schule.

Die Altbauten des Krankenhauses wurden auf die Schulzwecke angepaßt. Das Stammhaus von 1864 enthielt 6 Schlafsäle mit 8 - 10 Betten, das Büro des Schulleiters und die Verwaltung, die Küche für die eigene Internatsverpflegung mit Vorratsräumen, den Speisesaal, die Kantine, eine Pförtnerstube (Zimmer der Lehrkraft vom Dienst), eine Telefonkabine, einen Lehrsaal (ehemalige Kapelle mit Glockenturm) mit Lehrmittelraum (ehedem Sakristei), Sanitärräume und eine zentrale Heizanlage (koksbefeuert, später mit Heizöl).

Der Neubau (ehemaliges Schwesternheim) bekam Wohnungen für den Schulleiter, Lehrkräfte und Hausbedienstete.

Der Bautrakt dazwischen erhielt den Wasch- und Duschraum (ehemalige Operationsräume), ein Krankenrevier, Wäsche- und Bügelkammer, Kammer für Reinigungsmaterial und Brennstofflagerung.

Der baumbestandene Krankenhausgarten wurde zur Übungsfläche umgestaltet, wobei die schönsten Obstbäume zunächst als Schattenspender stehenblieben. Sie fielen erst später der notwendigen Befestigung (Teerung) des Hofes zum Opfer.

Weitere Zweckbauten mußten innerhalb der engen Grundstücksgrenzen neu errichtet werden: Einstellhallen, eine Übungshalle, Schlauchwäsche mit Trockenturm und Steigerwand, Werkstatt, Gasraum mit Kriechstrecke, Feuerlöscherfüllraum sowie Bekleidungskammer. Jeder Feuerwehrmann wurde mit Ausgeh- und Exerzieruniform eingekleidet.

Vor Abschluß der den gestiegenen technischen Erfordernissen angepaßten Zusatzbauten liefen ab 23. Oktober 1937 einstweilen 3-tägige Maschinistenlehrgänge. Als Höchstalter für die Teilnehmer war das 55. Lebensjahr festgelegt. Nach diesen Baumaßnahmen konnten die "großen" 12-tägigen Lehrgänge im ordentlichen Vollbetrieb mit jeweils 40 Teilnehmern aufgenommen werden.

Bis Februar 1938 durchliefen bereits 633 Maschinisten diese neue Schule. Auf Anordnung des Landesbranddirektors mußten ab diesem Zeitpunkt alle Gemeinden mit Motorspritzen wenigstens einen Feuerwehrmann zum Lehrgang für Maschinisten nach Regensburg schicken.

Selbstverständlich war die Landesfeuerwehrschule in Regensburg damals noch die einzige Ausbildungsstätte für die Feuerwehren Bayerns. Trotz der Erweiterung wurde die Anzahl der verfügbaren Lehrplätze bald wieder zu klein, es mußte eine Auslese für den Schulbesuch getroffen werden: Die Schule wurde vornehmlich dem Feuerwehrführer-Nachwuchs gewidmet. Mitzubringen war stets ein ärztliches Gesundheitsattest. Außerdem sollte inhaltlich das "Übungsbuch für die Landfeuerwehren", die "Fußdienstordnung", das Feuerwehrhandbuch, Teil 1 "Gerätedienst" und Teil 2 "Angriffstaktik" bekannt sein, Lerneifer und Führereigenschaften wurden vorausgesetzt. Zusätzlich zur Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule richtete der Landes-Feuerwehrverband bzw. das Landes-Feuerwehrbüro Bezirks-Feuerwehrlehrgänge ein, gewissermaßen die Vorläufer der heutigen Standortschulung

4. Die Kriegszeit

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb der Landesfeuerwehrschule verstärkt aufrecht erhalten. Nach der DurchfVO über das Gesetz für das Feuerlöschwesen vom 24. Oktober 1939 mußten alle Feuerwehrführer beschleunigt zur Schulung herangezogen werden. Durch zusätzliche Lehrgänge für den Luftschutz war die Schule vielseitig und intensiv gefordert.

Mit den neu geschaffenen Einstellmöglichkeiten mehrten sich die Schulungsfahrzeuge und Löschgeräte, mit denen die Schule nun auch nach Aufforderung Löschhilfe nach außen leisten konnte. Nach Luftangriffen bekamen Lehrkräfte und Lehrgangsteilnehmer bei weiten Überlandeinsätzen zusätzlich praktische Einsatzerfahrungen.

Für die Dauer des Krieges wurden die Kosten für die Lehrgangsabordnungen vom Reich in voller Höhe aus dem Aufkommen der Feuerschutzsteuer bestritten und über die Zahlstelle der Feuerwehrschule bar ausbezahlt.

Die Lehrgänge waren reichseinheitlich unterteilt in Führerlehrgänge I und II, Maschinistenlehrgänge, Sonderlehrgänge u. a. für Kraftfahrzeugführer und Führer von HJ-Feuerwehren sowie für Gerätewarte.

Der Lehrbetrieb ruhte nach Kriegsende nur kurz vom April 1945 bis Herbst 1946.

5. Der Neubeginn nach dem Krieg

Nach Freigabe der Schulgebäude mußte vieles gerichtet, ersetzt oder neu beschafft werden. Auch die Löschfahrzeuge und -geräte waren defekt oder entwendet worden. Das ehemalige Landesfeuerwehrbüro war als Landesamt für Feuerschutz neu gegründet worden. Dieses Landesamt und das Bayerische Staatsministerium des Innern halfen der Landesfeuerwehrschule bei ihrem Neubeginn. Bald war die Schule wieder einsatzfähig, der Schulbesuch lief jedoch zunächst nur sehr zögernd an, hielten doch die politischen Nachwehen die Feuerwehrleute geraume Zeit von einem erneuten Engagement für die Allgemeinheit ab. Dipl.-Ing. E. Schmitt übernahm mit großem Erfolg die Leitung der Schule, wanderte aber nach wenigen Jahren in eine bessere Position ab. Als Stellvertreter blieb Eichhammer der gute Mentor. Dann wurde er erneut Schulleiter bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand mit 67 Jahren.

Die Lehrgänge füllten sich nach der schwachen Anlaufphase aber bald wieder bis zur Überbesetzung. Die Landesfeuerwehrschule mußte erneut ein größeres Übernachtungs- und Lehrplatzangebot erhalten. Eine zeitgemäße Verkleinerung der Schlafsäle in Einzelzimmer war im Altbau konstruktiv nicht möglich. Immerhin konnte entsprechend den gesteigerten technischen Ansprüchen 1952 östlich an den Altbau ein Neubau angefügt werden. Der gelungene Verbund beider Gebäude war Oberbaudirektor Dipl.-Ing. Stadler, dem Leiter des Landesamts für Feuerschutz, und dem Landbauamt Regensburg zu danken. Dieser Flügelbau erhielt einen modernen Lehrsaal mit 60 Plätzen und anschließendem Modellraum. In diesem Bauteil fanden auch die Schulverwaltung und die Außenstelle des Landesamts für den Regierungsbezirk Oberpfalz neue Räume.

6. Erweiterungsbauten

Das 2.Obergeschoß nahm zwei Werkdienstwohnungen für Lehrkräfte auf. Das Erdgeschoß erhielt einen neuzeitlichen Planspielraum mit 32 Sitzen. Das Planspiellager wurde auf 12 Planspiele ausgelegt. Die Prüf- und Versuchsstelle des Landesamts erhielt hier außerdem Meßräume, Spezialwerkstatt und Brandversuchskammer. Ein echtes Funktionsmodell einer nassen Sprinkleranlage sowie eine Modellanlage für Kohlensäureflutung im Atemschutzgebäude wurden neu installiert.

1958 entstand entlang der östlichen Schulhofbegrenzung eine weitere Fahrzeughalle mit 4 Ständen und eine Metallwerkstatt mit Ladestation und Schweißraum.

Mit diesen Bauten und Einrichtungen glaubte man, auf längere Zeit den Ausbildungsbedarf abdecken zu können. Mit den gesteigerten Aufgaben für eine der technischen Entwicklung angepaßte Ausbildung vergrößerte sich jedoch der Bestand an Fahrzeugen und Geräten weiter. Die Werkstattwagen des Technischen Prüfdienstes beanspruchten zusätzlich Standplätze. Die ursprünglich für Übungen gedachte Halle war mittlerweile vollgestopft mit Sonderfahrzeugen, Schlauchbeständen, Armaturen, Atemluftkompressor und einem Lkw-Modell mit Kreiselpumpenanlage. Durch den Einbau einer Brandübungslamelle mit einem 2-geschossigen Gebäudequerschnitt und künstlichem Brandklima wurde die Halle weiter eingeengt.

Zwei schallisolierte Kammern für die "stille" Maschinistenschulung ergänzten die Einrichtung. Außer den grundlegenden Aufbau-Lehrgängen der Grundstufe, Mittelstufe und Oberstufe wird bis 1996 noch eine lange Reihe von Sonderlehrgängen angebot

  • Maschinisten, Fahrzeugmaschinisten
  • Atemschutzgeräteträger, Atemschutzwarte
  • Gerätewarte, Ölschadenbekämpfung (ÖSA + RW)
  • Kreisschirrmeister, Schiedsrichter
  • Funksachbearbeiter, Jugendwarte
  • Bootsführer Unfallverhütung Technische Hilfeleistung
  • Führungsdienstgrade von Werk- und Betriebsfeuerwehren

7. Überlastete Schulen

Nach wie vor konnten aber die Lehrplatzanforderungen der Feuerwehren wegen Überfüllung nicht annähernd befriedigt werden; Unterkunft, Unterrichtsräume und Küche waren ständig auf das äußerste beansprucht und nur dem Geschick der Lehrkräfte und der Bereitwilligkeit der Lehrgangsteilnehmer, auch wesentliche persönliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen, war es zu danken, daß der Ausbildungsbetrieb ohne größere Reibereien und Probleme fortgesetzt werden konnte.

Zur Entlastung der Landesfeuerwehrschule Regensburg war am 30. September 1954 die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg eröffnet worden. Mit Grundstufen- und Maschinistenlehrgängen für die Regierungsbezirke Frankens und einen Teil Schwabens wurde begonnen. Zur gemeinsamen Entlastung in den Stoßzeiten winterlicher Belegung wurden für beide Feuerwehrschulen ab 1956 als Zweigbetrieb der Landesfeuerwehrschule Regensburg im Feuerwehrerholungsheim in Bayerisch Gmain für 222 Maschinisten aus den südlichen Regionen Bayerns eigene Lehrgänge durchgeführt.

Die Lehrgänge der Oberstufe begannen 1950, die der Mittelstufe folgten erst 1952. Standortschulungen werden seit 1950 neben der Ausbildung in den beiden Staatlichen Feuerwehrschulen systematisch betrieben. Sie laufen in den Wintermonaten eintägig auf Kreisebene über Anforderung der Feuerwehr-Aufsichtsorgane. Diese Lehrgänge durch die Beweglichen Feuerwehr-Grundschulen sollen den zurückliegenden "Schwung" nach einem Lehrgangsbesuch durch Kurzwiederholungen wieder aufleben lassen. Sie können allerdings kein Ersatz für die mehrtägigen Lehrgänge für Kommandanten, Maschinisten oder Funksachbearbeiter sein.

8. Zeitgemäße Ausbildung nur durch Neubau

Erwachsenen Feuerwehrleuten muß im Lehrgang neben dem Sachwissen auch der Impuls vermittelt werden, Wissen und Können an die zuhause gebliebenen Kameraden weiterzugeben. Hierauf muß die Methodik und Didaktik abgestimmt sein. Dazu werden alle Darstellungsmethoden angewendet, die einen besseren Erfolg versprechen. Es gilt vom Begrifflichen über das Begreifliche zum Handgreiflichen oder vom Abstrakten zum Konkreten und vom Bekannten zum Schwierigen zu kommen.

Das Wort allein genügt nicht. Visuelle Mittel sprechen vielfach besser an. Abwechslung und Verdeutlichung müssen allen Lehrkräften bedingungslos Lehrabsicht sein. Das macht den Lehrerfolg einer Feuerwehrschule und gibt - durch Weitersagen - den Anreiz zum freiwilligen Schulbesuch.

Durch Bedarf an neuen Lehrgängen für neue Risiken ist die Kapazität der Feuerwehrschule in Regensburg-Stadtamhof inzwischen wiederum bei weitem zu gering geworden. Die Zahl der Lehrgangsteilnehmer muß von bisher 60 - 70 Teilnehmern auf mindestens 120 erhöht werden. Aber auch eine zeitgerechte individuellere Unterbringung mit "Wohnheimcharakter" ist heute allgemeiner Standard. Lernen und Freizeit müssen in abgewogenem Angebot in einer Ausbildungsstätte für Freiwillige Feuerwehrmänner wie für Feuerwehrdienstgrade stehen. Das Sprechergremium und das Landesamt anerkannten aus eigener Anschauung diese Notwendigkeiten. Das Bayer. Staatsministerium des Innern entschied deshalb, daß in der Gemeinde Lappersdorf am Stadtrand von Regensburg ein Neubau erstellt wird. Der Stadtrand mußte zwangsläufig gewählt werden, da die Stadt Regensburg kein geeignetes Baugelände nachweisen konnte. Ein Flächenprogramm wurde aufgestellt. Das neue Gelände mit rund 40000 qm in freier Lage konnte vom Freistaat Bayern 1970 noch preiswert erworben werden. Die Verkehrslage ist günstig. Die Gemeinde Lappersdorf mit ihrer Freiwilligen Feuerwehr stand von Anfang an dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber.

Das Raumprogramm wurde für die vielfältigen Lehraufgaben maßgeschneidert, die Einrichtung und Ausstattung für eine individuelle Unterrichtsgestaltung sorgfältig und ausgewogen ausgewählt. Schulleiter und Lehrkräfte standen dem Architekten des Landbauamts Regensburg mit seinen Mitarbeitern sowie den Projektanten auf Verlangen beratend zur Seite. Der Schule waren dabei die pädagogischen Belange immer Leitlinie. Die neue Feuerwehrschule in Lappersdorf soll künftig in etwa 98 verschiedenen, unterschiedlich langen Lehrgängen jährlich rund 4200 Feuerwehrmänner nach den jeweils neuesten fachlichen Erkenntnissen ausbilden. Daneben sollen sich die Lehrgangsbesucher in der Schule weitgehend heimisch fühlen. Auch mit ihrer größeren Kapazität und ihren wesentlich verbesserten Ausbildungsmöglichkeiten soll die Feuerwehrschule nur eine "Hohe Schule" des bayerischen Feuerwehrmannes bleiben. Sie wird der Feuerwehrpraxis möglichst nahe bleiben und soll nicht vermessen zu einer Hochschule werden wollen.